Dell Canvas statt Surface Studio

In der Gerüchteküche brodelte schon länger, dass Dell wohl an einem Konkurrenzprodukt zu Microsofts All-in-One-PC Surface Studio arbeiten würde. Auf der CES hat Dell nun den Schleier gelüftet – und es kam anders als gedacht: Der Canvas ist kein All-in-One-PC, sondern “nur” ein wie ein Pult flach aufgestellter 27-Zoll-Touchscreen mit QHD-Auflösung (2560 × 1440 Pixel). PC-Hardware enthält er nicht – er kann/darf/soll/muss an einen beliebigen PC angeschlossen werden.

Bei Dells Demo erfolgte die Verbindung zu einem Notebook über ein Typ-C-Kabel, das DisplayPort- und USB-Signale parallel transportierte. Bei älteren PCs oder Notebooks, die keine Typ-C-Buchse mit DP-Alt-Fähigkeit besitzen, sind zwei Kabel notwendig: ein Typ-C- auf Typ-A-Kabel für USB-Daten und ein zweites für Videosignale. Der Canvas hat dafür je einen DisplayPort- und HDMI-Eingang. Unabhängig von der Datenanbindung benötigt der Canvas noch ein weiteres Kabel, nämlich das zum mitgelieferten Netzteil.

Dell Canvas mit Surface-Studio-Funktionen

Hinsichtlich der Nutzbarkeit unterscheidet sich Canvas nicht vom Surface Studio: Man kann den farbstarken IPS-Bildschirm – Dell verspricht Adobe-RGB-Abdeckung – per Finger und Stift bedienen; letzterer nutzt Wacom-Technik. Anders als die glatte Oberfläche des Surface Studio ist der Canvas mit einer Mattierungsfolie überzogen. Sie reduziert nicht nur Spiegelungen, sondern sorgt auch dafür, dass sich Schreiben oder Malen wie auf Papier und nicht wie auf Glas anfühlen sollen.

Außer dem Stift gehören zwei Drehregler zum Lieferumfang, von Dell Totems genannt. Einer der beiden lässt sich wie das Surface Dial sowohl neben als auch auf dem Bildschirm benutzen. Das passgenaue Einblenden von Reglern klappte in Las Vegas noch nicht richtig: Die Vorabversion des Windows 10 Creators Update, welches dafür notwendig ist, blendet zwar Regler ein, doch deren Größe ist derzeit auf das Surface Dial abgestimmt. Das Dell-Totem hat aber eine größere Grundfläche und überdeckt deshalb die Einblendungen teilweise.

Bis zum Verkaufsstart soll dieses Problem gelöst sein. Alternativ arbeitet Dell daran, dass man auch Microsofts Surface Dial auf dem Canvas benutzen kann. Das Versprechen, dass man dies tatsächlich bis zur Serienreife des Canvas integrieren werde, wollte man aber nicht abgeben.

Der zweite, kleinere Drehregler war in Las Vegas nicht zu sehen. Anderes als der große nutzt er keine Funktionen im Betriebssystem, sondern muss gezielt von Anwendungen unterstützt und angesprochen werden.

Zweischirm-Betrieb ohne Tastatur und Maus

Dell propagiert beim Canvas einen Zwei-Bildschirm-Betrieb. Der ausklappbare Kickstand gibt dem Canvas etwa 10 Grad Neigung; oder man legt ihn vollkommen eben von sich auf den Schreibtisch. In beiden Fällen soll es als primäre Arbeitsfläche dienen, auf der beispielsweise die Timeline und die Regler eines Videoschnitt-Programms wie Adobe Premiere eingeblendet sind. Ein zweites zusätzliches Display, das klassisch senkrecht steht, dient als Preview-Monitor. Beim Zeichnen oder Modellieren auf dem Canvas könnte der obere Bildschirm hingegen Skizzen oder anderes Artwork anzeigen.

Weil der Schreibtisch im angedachten Nutzungsszenario üblicherweise keinen Platz mehr für Tastatur und Maus bietet, liefert Dell Hilfsprogramme mit, die den Verzicht erleichtern: Desktop-Icons und Dateien werden fingerbedienbar gruppiert, beim Verschieben von Fenstern kann man diese in vorgegebene Raster fallen lassen, frei konfigurierbare Touch-Regler lassen sich mit häufig verwendeten Tastatur-Shortcuts belegen. Nicht zuletzt kann man sich im Fall des Falles das benötigte Eingabegerät auch einfach auf den Touchscreen holen – sei es nun die bekannte Bildschirm-Tastatur oder das mit dem Creators Update kommende virtuelle Touchpad zum Mauszeiger-Schubsen.

In den USA wird man den Canvas ab dem 30. März für 1800 US-Dollar bestellen können. Ein Preis für und die Verfügbarkeit in Deutschland waren vor Ort nicht in Erfahrung zu bringen.

Quelle: heise.de

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