Amazon formuliert Forderungen zur Luftraum-Verwaltung

Vollautomatische Lieferungen mit Flugdrohnen sind Amazons Traum. Eine neue Luftraumregulierung würde das Vorhaben enorm erleichtern. Am Dienstag hat der Onlinehändler seine Vorstellungen präsentiert.

Amazon hat am Dienstag in New Orleans seine Forderungen für eine neue, global einheitliche Luftraumregulierung präsentiert. Sie würde dem Onlinehändler den Weg zu Lieferungen mit Flugdrohnen ebnen. “Der Luftraum wird eines Tages verstopft werden”, sagte Amazon-Manager Gur Kimchi auf der Drohnenkonferenz Xponential, “Wir müssen vorbereitet sein.”

Kimchi leitet Amazons Drohnenprogramm Prime Air. Er möchte das Problem, wie Millionen von Flugdrohnen in den Luftraum integriert werden können, lösen. Kern seines Plans ist eine horizontale Flugverbotszone zwischen 400 und 500 Fuß (122 bis 152 Meter) über Grund. In dieser Höhe soll grundsätzlich niemand fliegen. Der Bereich darüber würde in erster Linie der klassischen Luftfahrt dienen und, wie bisher, von der bestehenden Flugverkehrskontrolle verwaltet.

Drohnen: Zwei-Klassen-Gesellschaft

Den Bereich unter 400 Fuß will Kimchi zweigeteilt sehen: Die obere Hälfte, also von 200 bis 400 Fuß (61 bis 122 Meter) über Boden, wäre besonders leistungsfähigen Drohnen vorbehalten: Dort sollen sie nur fliegen, wenn sie längere Strecken mit höheren Geschwindigkeiten zurücklegen.

Die unterste Schicht, bis 200 Fuß (61 Meter), wäre langsamen Hobbygeräten sowie lokal eingesetzten unbemannten Luftfahrzeugen vorbehalten. Hierzu gehören unter anderem Flüge zur Inspektion von Brücken oder für Luftaufnahmen für den Immobilienhandel oder von Versicherungen. Die Durchquerung der verschiedenen Schichten beim Auf- oder Abstieg eines entsprechend berechtigten Luftfahrzeugs wäre selbstredend zulässig.

Multiple Verkehrssteuerung

Den Drohnenverkehr steuern und beaufsichtigen sollen in Amazons Vorschlag nicht die klassische Flugverkehrskontrolle, sondern neue Luftverkehrskontrolleure. Davon soll es viele geben, deren Zuständigkeitsbereiche sich ganz bewusst überlagern. Kimchi verglich das mit der Funktionsweise von Handynetzen, ohne näher ins Detail zu gehen.

Diese Kontrolleure sollen miteinander kooperieren und mit der klassischen Flugverkehrskontrolle kommunizieren. Sie sollen auch alle Daten von ADS-B-Transpondern empfangen und verarbeiten, die Luftfahrzeugen in ihrer Region aussenden. Die Drohnen hingegen sollen mit diesen Informationen nicht belastet werden.

Leistung zählt

Um sich für die Hochgeschwindigkeitszone zu qualifizieren, müsste eine Drohne nicht nur flott sein, sondern auch selbsttätig andere Objekte erkennen und ihnen ausweichen können (“sense and avoid“). Dabei müsste sie zur autonomen Kommunikation mit anderen Drohnen über IEEE 802.11p (WAVE) in der Lage sein.

Darüber hinaus bestünde die Pflicht, Hindernisse an die neuen Luftverkehrskontrolleure zu melden, etwa “Obacht, hier ist ein Vogelschwarm”. Diese würden die Warnungen dann in die Steuerung des Drohnenverkehrs einfließen lassen.

Sonderzonen

Kimchis Plan sieht außerdem zwei Arten vertikaler Sonderzonen vor: Einerseits als risikoarm eingestufte Gebiete, in denen sich Hobbyisten austoben dürften. Nur dort wäre es ihnen gestattet, auch in höhere Sphären vorzudringen.

Und andererseits Flugverbotszonen. Dabei gäbe es dauerhafte Flugverbotszonen, insbesondere rund um Flughäfen, und temporäre Verbotsgebiete, etwa bei Einsätzen von Rettungshubschraubern, bei Großbränden, oder wenn VIPs wie zum Beispiel Staatspräsidenten unterwegs sind.

Branchenpolitik

“Wir wollen, dass der Standard vom ersten Tag an weltweit gilt”, machte Kimchi deutlich, “Der einzige Weg, auf dem es funktionieren wird, ist, wenn alle die selbe Sprache sprechen.” Zum Schluss wandte er sich direkt an die im Auditorium anwesenden Mitarbeiter der US-Luftfahrtbehörde FAA: “Bitte arbeiten Sie mit uns und führen Sie leistungsabhängige Standards ein.”

Das Fachpublikum nahm Amazons Vorstoß mit gemischten Gefühlen auf. Positiv empfunden wurde, dass endlich jemand öffentlich einen konkreten Vorschlag unterbreitet hat. Negativ wurde bemerkt, dass Amazon eine Anpassung an seine Bedürfnisse fordert, anstatt das eigene Projekt an die gegebene Situation anzupassen.

Autor: heise.de

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