15 Jahre Windows XP

Editionsflut

Anfangs gab es von Windows XP nur zwei Editionen: die “Home Edition” sowie “Professional”. Beide waren an sich erst mal identisch, doch hatte Microsoft in der Home-Edition all jene Funktionen deaktiviert, von denen man glaubte, dass sie nur für Firmenkunden interessant seien. Dazu gehörte unter anderem die Benutzerverwaltung in der Computerverwaltung genauso wie die Dateiverschlüsselung EFS. Erst nach ein paar Jahren tauchte ein Trick auf, mit dem sich Home in Pro umwandeln ließ.

Im Laufe der Zeit kamen aber diverse weitere Editionen hinzu. Dazu gehörte die “Tablet PC Edition” eben für Tablet-PCs, die damals aber noch keine Erfolge feiern konnten, sowie die Media Center Edition, die zwar eigentlich nur für Heimanwender gedacht war, technisch aber fast vollständig der Professional-Edition entsprach. Der EU verdanken wir die N-Editionen ohne Media Player, die aber kaum einer kaufte, weil sie genauso teuer waren wie die entsprechenden Editionen mit Media Player. Übrigens musste Microsoft auch in Südkorea spezielle XP-Editionen auf den Markt bringen: “K” mit Links zu Alternativen für Media Player und Messenger sowie “KN” ohne beides.


Die erste 64-Bit-Version von XP war jene für Rechner mit Itanium-CPU, woran weder Microsoft noch Intel gern erinnert werden. Diese “64-Bit Edition” ist nicht mit der “x64”-Version zu verwechseln, die für die heute üblichen x86-64-CPUs gedacht war. Letztere Edition basierte schon nicht mehr auf XP, sondern nutzte den Kernel des Server 2003. Beide 64-Bit-Editionen hatten aber so geringe Verbreitung, dass XP im Grunde immer als reines 32-Bit-Windows wahrgenommen wurde.

Jahre später kam noch eine weitere XP-Edition groß raus: die für die kleinen Netbooks, die zwar bei der Hardware-Ausstattung geizten, dank geringer Größe und vor allem geringem Preis aber trotzdem ein Kassenschlager wurden. Nachfolger Vista war zu diesem Zeitpunkt zwar schon erschienen, doch dessen Schwuppdizität war auf den ersten Netbooks dermaßen mies, dass Microsoft XP dafür anbieten musste. Die Ablösung von XP auf dieser Geräteklasse gelang erst Windows 7 Starter.

Das lange Ende

Ursprünglich sollte XP eine Haltbarkeit von gerade mal 5 Jahren haben, plus 2 Jahre für die Pro-Edition. Da aber gleichzeitig galt, dass der Support mindestens bis 2 Jahre nach Erscheinen des Nachfolgers gelten sollte, wurde aus der kurzen Haltbarkeit schon mal nichts – Vista verspätete und verspätete sich. Und als es endlich da war, entpuppte es sich keineswegs als würdiger Nachfolger. Deshalb blieben die meisten Nutzer lieber bei XP – das änderte sich erst mit Windows 7. Daraufhin verlängerte man zuerst den Support für XP Pro und schließlich auch für alle anderen Editionen bis 2014. Keine andere Windows-Version genoss bislang so langen Support. Denn für die Nachfolger Vista, Windows 7 und 8.1 gelten allesamt nur 10 Jahre. Erst Windows 10 Home, Pro, Education und Enterprise werden dank “Windows as a Service” faktisch unbegrenzt Support erhalten.


Den End-Termin 2014 hielt Microsoft schließlich, allem Bitten und Wehklagen zum Trotz. XP läuft zwar auch nach dem Termin noch, doch weil neu entdeckte Sicherheitslücken nicht mehr gestopft werden, sollte man es nicht mehr mit dem Internet verbinden (was auch für den XP-Modus von Windows 7 gilt). Seitdem sinkt der Marktanteil zwar langsam, aber stetig. Man darf gespannt sein, ob XP auch seinen 20. Geburtstag noch erlebt – Microsoft dürfte jedenfalls hoffen, dass nicht.

Quelle: heise.de

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